Leseprobe - Dirk Nachtigall
 
   
 
   

Dirk Nachtigall

Förderpreis 2006

1. Preis

   
 


Die Tüpfelhyäne

Im dürren Gras lacht die Hyäne.
Sie kann nichts für, es woll'n die Gene,
dass ihr das Zwerchfell mächtig zittert
sobald sie Frischkadaver wittert.

Sonst ist das Tierchen nicht so freudig,
läuft niederträchtig, stänkernd, räudig,
durch kärgliches Savannenland.
Die Zähne scharf, stumpf der Verstand.

Wenn sie nicht grad die Brut vermöbelt,
dann wird der Löwe vollgepöbelt.
Will dies Verhalten man verstehen,
muss man auf ihre Herkunft sehen.

Gott schuf die Welt. Soweit bekannt.
Mit künstlerischer Meisterhand
entstanden Berge, Täler, Seen,
Palmen zum Wedeln und Kakteen.

Dies Alles wirkte seltsam leer,
drum stellte Gott die Fauna her.
Er baute Grillen, Schafe, Ziegen,
Zum Schluss blieben noch Teile liegen.

Vom Pit Bull nahm er einen Kopf,
Fledermausohren drauf gepfropft,
ein Hals war leider nicht am Lager,
doch Schweinebauch - und nicht zu mager.

Dann schraubte Gott noch Beine dran,
vom Dackel und vom Dobermann.
Drum' rum ein Stück Giraffenhaut,
schon war das Tier zusammengebaut.

Im dürren Gras liegt die Hyäne,
auf hartem Boden, eine Träne.
Sie hätt' so gern bei Darwin Platz,
nicht nur als Gottes Bastelsatz.

Halali

Stark aufgebrezelt und betagt
beginnt des Businessweibchens Jagd.
Legt eine Spur aus Cocktailkirschen.
Der Sinn steht ihm nach flotten Hirschen

Auch junges Wildbret fänd' es nett.
Als Lockstoff dient Eau de Toilette.
Und davon reichlich aufgetragen,
soll sichern den Erfolg beim Jagen.

Zum Hochsitz wird der Tresenhocker.
Drei Jägermeister machen locker.
Und auf der aufgespritzten Lippe
hängt, lässig wippend, eine Kippe.

Der erste Hirsch betritt die Bühne.
Es ist kein Zwerg, doch auch kein Hüne.
Das Weibchen bläht vergnügt die Nüstern,
zupft am BH und lächelt lüstern

"Den hol ich mir ins Fadenkreuz"
denkt' s Businessweibchen und bereut' s.
Beim Lächeln zeigt, man glaubt es kaum,
fast zahnlos sich sein Rachenraum.

Der nächste Hirsch, das selbe Weibchen,
Er durchtrainiert, im Leibchen,
dass jeden Muskel einzeln zeigt.
Die Jägerin ist zugeneigt.

Flux wird die Brust nach vorn gestreckt,
das Faltendekolleté verdeckt.
Doch noch bevor es jagen kann,
greift sich Hirsch 2 den nächsten Mann

Die Tür geht auf, die Tür geht zu.
Die Jägerin kommt nicht zur Ruh.
ES füllt den Raum, ES rört nach Bier,
Der Überhirsch, das Alphatier.

Das Weibchen ist verstört und zittert.
Es scheint, als ob es Paarung wittert.
Doch als das Wildbret es anspricht,
zeigt sich, dass es an Hirn gebricht.

Jagdglück hat's Weibchen sich geschwor'n.
Drum kommt die Flinte nicht ins Korn.
Es ist enttäuscht, doch lächelt mild.
Es bleibt ja noch das Niederwild.

Zwei Stunden und fünf Cocktails später
Versucht die Beute sich als Täter.
Ein Zwerghirsch platzt ins Jagdrevier,
riecht stark nach Losung und nach Bier.

Am Hochsitz brunft's, scharrt mit den Hufen.
Das Weibchen will um Hilfe rufen.
Das Niederwild rört sehr verrucht.
Die Jägerin das Weite sucht.

Jedoch der Wiederkäuerbock,
scheint fest geschweißt am Faltenrock.
Es rafft die Röcke springt vom Tresen,
zahlt auf der Flucht noch schnell die Spesen.
Der Hirsch nimmt die Verfolgung auf.
Die nächste Schwelle stoppt sein' Lauf.

Im sichren Jagdheim angekommen,
wirkt unser Weibchen sehr benommen.
Es legt sich angeschlagen nieder,
mit welker Haut und straffem Mieder.
Am "Waidmanns Heil" der Zweifel nagt.
Beim nächsten Mal, ist Hasenjagd.

 
 
 
     
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