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Ein Autor schiebt mit frohem Sinn
Dem Lektor sein Geschreibsel hin.
Es geht darin um die Moral
In einem Alpenseitental.
Zwei Bürgermeister-Kandidaten
Sind dort in einen Streit geraten.
Der eine arm, der andre reich,
Ansonsten sind sie eher gleich.
Der eine ist der Schuldirektor,
Ein guter Mann in seinem Sektor.
Gemüsehändler ist der zweite,
Zwar brav, jedoch so gut wie
pleite.
Kein schlechter Plot, freut sich
der Lektor,
Erinnert mich an Zeus und Hektor!
Nur fehlt der Held in der
Geschichte,
Und eine hübsche junge Nichte.
In dem Kapitel mit den Gurken
Vermisse ich den bösen
Schurken,
Der des Gemüsehändlers Weib
Verführt, und seis zum
Zeitvertreib!
Ich glaube, wirft der Autor
ein,
Dergleichen wird nicht nötig
sein.
Ein Lustmolch oder Bösewicht
Paßt zu des Händlers Gattin
nicht.
Tja, sagt der Lektor, das ist
schade,
Denn so bleibt die Geschichte
fade.
Doch halt - er runzelt seine
Stirne:
Wie wärs mit einer feilen
Dirne?
Könnte nicht ein solches Luder
Des Schuldirektors armen Bruder
In unsagbares Elend stürzen
Und solcherart die Story
würzen?
Nein, ruft der Autor, denn der
hat ja
Schon seine heißgeliebte Nadja!
Niemals würd er sie verraten
Für einen solchen Satansbraten!
Na gut, seufzt resigniert der
Lektor,
Dann bleibt als Schurke nur der
Rektor:
Der Mann erliegt mit allen
Sinnen
Den Reizen seiner Schülerinnen!
Nein, nein, der Autor
widerspricht:
Das Pädophile liegt mir nicht.
Der Rektor ist ein braver Mann
Der Schlechtes nicht mal denken
kann!
Ach ja? Und was ist mit der
Tochter?
Sie schreiben hier, die
unterjocht er!
Dem Autor wird die Stimme
schrill:
Doch nur, weil er ihr Bestes
will!
Jetzt kriegt der Lektor
Oberwasser:
Der Rektor ist ein
Weiberhasser!
Sein Weib ist zänkisch und
gemein,
Und Zwietracht herrscht im
trauten Heim!
Mag sein, es ist bei Ihnen so,
Entgegnet der Autorio,
Ich bin kein Groschenromancier,
Mir liegt das saubere Metier.
Des Lektors Stirne färbt sich
bläulich:
Ein Moralist! Gott, wie
abscheulich!
Ihr Text ist graue Langeweile
Und ihre Welt zum Kotzen heile!
Und Sie? Ein Lektor wolln Sie
sein,
Fängt der Autor an zu schrein,
Ich sage Ihnen, was Sie sind:
Ein blödes Lektoraten-Rind!
Er geht dem Lektor an den
Kragen
Der tritt ihn dafür in den
Magen,
Und schon sind beide, eins,
zwei, drei
In der schönsten Keilerei.
Sie prügeln sich, der Tisch,
der kippt.
Der Wind entdeckt das
Manuskript,
Und bläst es mit Besessenheit
Hinweg in die Vergessenheit.
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