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Jüngst tagte eine Kommission,
eingesetzt mit der Mission,
hochkarätig offiziell,
delegarisch informell,
zur Erörterung der Fragen
die die Menschheit stetig plagen.
Abgeschirmt und gut bewacht,
was die Sache wichtig macht,
traf man sich zunächst zum Essen,
dann beschloss man selbstvergessen,
beim Flanieren durch den lauten
Sommerabend zu verdauen.
All dies wäre nie beschrieben,
sondern unerwähnt geblieben,
wäre nicht recht ungebeten
noch ein Störfall eingetreten.
Denn die Putzfrau, die inzwischen
Anfing, mal feucht aufzuwischen,
fand beim Schrubben ganz beflissen
auf dem Boden ein Gewissen.
Erst dachte sie noch recht verwegen,
es unauffällig wegzufegen,
beschloss dann aber doch denselben
Fund gewissenhaft zu melden.
Dies war, wie die Erfahrung lehrt,
letzten Endes grundverkehrt
Was die gute Frau nicht blickte:
Ein Gewissen schafft Konflikte,
da sich durch Gewissensnot
gewissermaßen Eile bot.
In der Hoffnung, dass es nutze,
rief man den Verfassungsschutze
und nahm sehr gewissenhaft
das Gewissen mal in Haft;
ignorierte voll Gemeinheit
das Grundrecht auf Gewissensfreiheit
Man begründete die Lage
mit Klärung der Gewissensfrage
und trieb, obwohl es sich verbot,
das Gewissen arg in Not.
Man suchte mikro-makroskopisch,
zur Sicherheit auch demoskopisch
speziell nach Skrupeln und gewissen
Ängste und Gewissensbissen.
man fand, soweit man es besah,
dass es gewiss in Ordnung war;
erklärte es dann selbstgefällig
als pathologisch unauffällig.
Noch offen blieb die Frage bloß:
Wer war denn jetzt gewissenlos?
Und vor allem und warum
lag es so am Boden rum?
War es in den Eingangshallen
einem aus dem Kopf gefallen?
Oder wurde das Gewissen
jemand mit Gewalt entrissen?
War es, darauf kam man später,
ausgesetzt durch Attentäter,
die ja wohl erklärtermaßen
Gewissenstreue nicht besaßen?
Hochkarätig offiziell
Delegarisch informell
wurde eine Kommission
eingesetzt mit der Mission
zur Erörterung der Plage
dieser ganz gewissen Frage
beim Flanieren durch den lauen
Sommerabend zum Verdauen.
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